Die Arbeitsgemeinschaft der Freiburger Bürgervereine (AGFB) lud am 26.3.2026 alle interessierten Bürger ins Bürgerhaus Zähringen ein, um die Kandidaten für die Oberbürgermeister-Wahl kennen zu lernen.
Und es sind so viele gekommen, dass der große Saal samt Empore voll war. Über 300 Bürger haben sich zwei Stunden lang über Themen aus Freiburg und die Ideen oder Programme der OB-Anwärter informiert.
Zum Einstieg kam gleich DAS Dauerproblem Nummer eins aus Freiburg dran: Wohnen. Das ist teuer, Wohnungen sind rar – vor allem für Familien und Menschen mit wenig Einkommen. Und das Problem ist nicht neu, wie mehrere OB-Kandidaten anführten – um dieses Argument, leider, auch als Erklärung dafür zu nutzen, warum sich „zeitnah“ keine Lösungen oder spürbaren Verbesserungen am Freiburger Wohnungsmarkt einstellen. Vielleicht fassen zwei Zahlen den Themenpunkt am besten zusammen: OB Horn führte die aktuell oft bemühten 1.000 „Wohnungen im Bau“ der Stadtbau Freiburg an, die den Wohnungsmarkt entlasten sollen – gleichzeitig ist die Einwohnerzahl von Freiburg in den letzten 10 Jahren um gut 5 Prozent gestiegen, und wächst weiter. Also müssen wohl andere, neue Lösungen her, über die aber keiner der OB-Kandidaten aktuell spricht: bessere Nutzung der vorhandenen Flächen (weniger Quadratmeter pro Kopf, bessere Verteilung von Wohnraum) sowie andere Bau- und Wohnformen könnten ein Anfang sein, über den man nachdenken sollte. Natürlich auch die immer wieder angeführte „Entbürokratisierung“ was Auflagen und Standards betrifft – aber dieser Bereich bewegt sich, wenn überhaupt, nur sehr moderat. Angeschnitten wurde ebenfalls die von Monika Stein (wieder) ins Gespräch gebrachte zukünftige Nutzung des Flugplatz-Geländes an der Freiburger Messe. Das dort Gewerbeflächen entstehen sollen, gefiel auch Achim Wiehle, der in „Interessenabwägung“ mehr Raum für Unternehmen (und Steuereinnahmen aus deren Gewerbe) vor den Interessen von Flugsportler sah. Eine Bürgerbeteiligung (Bürgerentscheid) – wie schon einmal vor einigen Jahren – zur Entwicklung der Flugplatz-Flächen wurde angeregt – man wird sehen, was sich tut. Kurz wurde es „kontrovers“ als OB Horn (noch) fehlendes Wissen über die Flächen (zB. Umweltschutz, Klima, Nutzungsbedingungen) als Grund für eine bislang nicht erfolgte Zukunftsplanung anführte.
Zweites Thema des Abends war dann Verkehr – hier ging es um die Erreichbarkeit der Innenstadt genauso wie um Radwege und den öffentlichen Nahverkehr. Den hätten einige Kandidaten gerne kostenfrei für manche (Kinder- und Jugendliche) oder auch alle. Wie schon beim Wohnen wurde auch hier mit Zahlen argumentiert: Was kostet es, den Nahverkehr in Freiburg „kostenlos“ zu machen (OB Horn führte einen Betrag von rund 120 Millionen Euro pro Jahr an) und wie soll das dann finanziert werden – eine Umlage über alle (wie bspw. beim Abfall oder Wasser) kam dabei als Idee ins Spiel. Auch die Zukunft der Bahnstrecke durch Freiburg, die aus- und umgebaut werden soll, wurde diskutiert. Die meisten OB-Kandidaten sahen hier erheblichen Gesprächsbedarf und fordern eine aktivere Einbindung in die aktuell laufende Planung – OB Horn warb um Geduld, da aus seiner Sicht die Planungen, noch, in (zu) weiter Ferne seien. Der Mittelweg wird hier aber bereits beschritten und es gab erste Treffen, die auch Bürgervertretungen einbezogen haben. Leider agiert die Bahn als Bauherrin immer noch wenig transparent und dialogbereit.
Im Anschluss wurde das Thema Bildung und hier insbesondere der Zustand der Infrastruktur, illustriert am immer gerne benutzen Beispiel des Zustands der Schultoiletten, erörtert. Alle Podiumsteilnehmer waren sich zunächst einmal einig, dass es keine „unzumutbaren“ Schultoiletten geben darf. Die gibt es aber – und nicht erst seit Gestern. Lösungen wurden nur angedeutet, denn es geht um sehr viel Geld, dass für die aufgeschobenen wie anstehenden Investitionen in städtische Bildungsinfrastruktur benötigt werden. Allein das neue Schulzentrum im zukünftigen Stadtteil Dietenbach soll weit über 200 Millionen Euro kosten. Wie die wachsende Stadt all ihren „Verpflichtungen“ nachkommen will – bei bereits rund 2 Milliarden Euro Schuldenstand – blieb unklar. Auch unklar blieb, wie drängend das Problem der „unzumutbaren“ Schultoiletten in Freiburg tatsächlich ist – Einzelbeispiele wurden erwähnt, in der Breite scheint es aber „zu gehen“.
Letzter Punkt am Abend war die Bürgerarbeit in den Stadtteilen. Hier sprachen sich die OB-Kandidaten grundsätzlich für eine zentrale Würdigung dieser wichtigen gesellschaftlichen Angebote (Bürgervereine, Vereine) aus und einige forderten einen Ausbau der vorhandenen Strukturen und Angebote, um so mehr Bürgernähe und vor allem auch mehr „lebensnahe“ Qualität in die Organisation der Stadt zu bringen. Die Menschen haben viel Wissen und Erfahrungen, die man besser in die „Verwaltung“ Freiburgs einbringen sollte.
Ein guter Gedanke und passender „diskursiver“ Abschluss für die von den Bürgervereinen für die Bürger organisierte Veranstaltung.
Ach ja, ganz zum Schluss durfte auch das „Aufregerthema“ Verpackungssteuer nicht fehlen – hier wurde es, erwartbar, noch mal ein wenig (aber sehr überschaubar) „hitzig“. OB Horn wurde wenig handwerkliches Geschick seiner Verwaltung bei der Umsetzung der unbeliebten Steuer attestiert und dieser verteidigte sich, indem er die Verantwortung für die Steuer dem Gemeinderat überwidmete, der mit knapper Mehrheit dafür gestimmt hatte im letzten Jahr. Am Ende der Diskussion konnten man sich ganz gut darauf „einigen“, dass der Gemeinderat auch die richtige Adresse für eine – erneute – Diskussion der Verpackugsregelung in Freiburg sein soll: im Herbst wird es dort eine weitere Runde geben und so die Chance, es anders oder sogar besser zu machen. Angemahnt wurde auch eine intensivere Einbindung der Bürger in die Diskussion – dies wurde bislang nur oberflächlich adressiert (Bürgerbeteiligungsverfahren). Bleibt zu hoffen, dass sich bis zum Herbst schon erste Erfolge beim zentralen „Anliegen“ der Verpackungssteuer zeigen: weniger Abfall insgesamt und weniger Müll, der in unseren Parks und auf den Strassen rumliegt. Das wäre bereits ein guter Erfolg.
Der Abend hat es den Bürgern ermöglicht, mehr darüber zu erfahren, was die Bewerber planen und wie sie Freiburg in Zukunft „regieren“ wollen. Danke an alle, die mitgeholfen und zugehört haben!
Was muss sich ändern, was fehlt oder welche neue Ideen gibt es? Kommen Sie zum Bürgerverein Herdern-Neuburg und helfen Sie mit, unsere Stadt und unseren Stadtteil zu gestalten. (MG)

