Die Kinder- und Jugendpsychiatrie der Uniklinik Freiburg kämpft seit Jahren mit zu wenig Platz und extrem langen Wartezeiten. In der Erwachsenabteilung der Psychiatrie fehlte ein Gebäude zur Versorgung von Privatpatienten und die Hautklinik braucht mehr Platz für Ambulanzflächen. Deshalb tut sich was auf dem Gelände des Landes Baden-Württemberg entlang der Hauptstrasse / Lerchenstrasse in Herdern.
Der BVH wünscht sich eine klare wie funktionsfähige Perspektive für die Klinikflächen und möchte ausdrücklich betonen: es geht uns um die Patienten, die so gut wie möglich versorgt sein müssen. Dazu gehört auch eine räumliche Situation, die nicht nur auf kurzfristige Flächenbereitstellung abzielt, sondern langfristig dafür sorgt, dass das Klinikareal in Herdern bleibt wie es ist: mit viel Grün- und Freifläche, zugänglich wo möglich und offen sowie wertvoll für das Stadtteilklima in jeder Hinsicht.
Ein kurzer Überblick: Zunächst wurde, im September 2023, der Neubau im Garten der Psychiatrie eröffnet – passender Weise „Gartenflügel West“ genannt. Rund 3.000 Quadratmeter ehemalige Grünflächen wurden hier versiegelt für neue Stationen und Behandlungsflächen. Nun stehen weitere Neubauten an: aktuell ein Anbau an die bestehenden Gebäude der Hautklinik für deren Ambulanzen. Erneut werden hierbei wertvolle Freiflächen benötigt und, wenn gebaut wird, dauerhaft versiegelt. Über Größe und Umfang der Baumaßnahmen herrscht bislang weitgehend Schweigen seitens der Zuständigen sowie auch der genehmigenden Behörden der Stadt Freiburg. Der Bürgerverein Herdern-Neuburg ist aber im Gespräch mit allen Beteiligten und baut auf mehr Informationen sowie einen Dialog dazu, was nötig ist und welche Alternativen zu den bisherigen Planungen denkbar wären. Hoffentlich ist es noch nicht zu spät, um Versiegelung zu vermeiden und trotzdem den gewünschten Raumbedarf der Klinik decken zu können.
Dabei drängt die Zeit, denn gerade erst hat der Finanzausschuss des Landtags BW 40 Millionen Euro für die Kinder- und Jugendpsychiatrie der Uniklinik in Freiburg bewilligt. Das Geld kommt aus dem Sondervermögen des Bundes – und eröffnet so die Chance, eine neue Tagesklinik zu bauen, die jedoch nicht vor 2030 eröffnen kann. Denn vorher muss sie erstmal geplant und gebaut werden – und bei diesem Prozess sieht der BVH noch viel „Luft nach oben“. Einmal, weil es Alternativen zu einem Neubau auf Freiflächen geben sollte – es gibt auf dem Klinikum-Gelände in Herdern eine Vielzahl alter und älterer Gebäude, die in die Jahre gekommen sind oder sich nicht mehr für moderne Medizin eigenen, zum Beispiel die Hautklinik – und zum andere, weil kein Entwicklungsplan für das Gesamtgelände vorliegt, ist eine kleinteilige Zerstückelung mit einem Gebäude hier und einem anderen dort im wie schon beschriebenen heterogenen Altbestand zu beobachten. Mit weiteren negativen Folgen für Frei- und Grünflächen, Kosten und Betrieb.
Aus Sicht des BVH ist eine ordnende Gesamtplanung daher, vor allem wegen der anstehenden oder vorgesehenen baulichen Massnahmen sowie dem Bestandserhalt, dringend notwendig. Eine strukturierte wie hinsichtlich zentralen Rahmenbedingungen (Klima, Umwelt, Verkehr, Energie, Kosten) abgestimmte Entwicklung muss endlich angegangen werden. Der BVH erhofft sich dabei ein tragfähiges Konzept, dass das Gelände der Uniklinik in Herdern für die kommenden Jahrzehnte erschliesst. Mit so wenig Versiegelung wie unbedingt nötig – ideal ohne – und so viel Nutzen für Patienten, Uniklinik wie Anwohner und den gesamten Stadtteil wie möglich.
Dazu sollte vor allem über eine neue Nutzung von Bestandsgebäuden – beispielsweise nach Sanierung, Um- oder Ausbau, sowie Baumassnahmen auf bereits versiegelten Flächen – nachgedacht werden. Insbesondere die Hautklinik, die sinnvoller Weise beim Zentralklinikum angesiedelt sein sollte, könnte wertvolle Perspektiven für eine Psychiatrie schaffen, die in Herdern optimale Bedingungen vorfindet: viel Grün, gute Anbindung an ÖPNV, einen sicheren wie freundlichen Stadtteil.
Der BVH ist in keiner Weise daran interessiert, die Interessen der betroffenen Patienten gegen zentrale Themen wie Klimaschutz oder Versiegelung „auszuspielen“ – deren akute Behandlung hat oberste Priorität und muss daher losgelöst vom aktuell diskutierten Neubau umgehend realisiert werden. Warum nicht in Bestandsgebäuden investieren (alte Kinderklinik, dort ist bereits eine Tagesambulanz im ehemaligen Elternhaus vorgesehen) oder durch Integration in bereits laufende Neubauprojekte bzw. dadurch freiwerdende Flächen Lösungen umsetzen? Und gleichzeitig das Gelände in Herdern so planen, dass man ohne Versiegelung viel mehr dauerhafter Qualität schafft. Das wünscht sich der BVH.