Wer aktuell aus der Stadt nach oben, an den Herdermer Hausberg, den Rosskopf, schaut, der kann gut beobachten, wie hier Neues entsteht: aus 4 wird 2 lautet das Motto. Zwei alte Windkraftanlagen sind schon längere Zeit abgebaut, zwei der ersten Generation drehen sich noch und zwei neue, deutlich leistungsfähigere Anlagen befinden sich im Aufbau.
Seit Mitte August läuft die Endmontage, die hohen Masten bekommen ihre Flügel und schon im kommenden Jahr soll Strom fliessen: mehr als 2,5 x so viel wie alle vier bisherigen Windräder zusammen. Erzeugt werden, basierend auf den gut dokumentierten Winderträgen der letzten 20 Jahre am Standort, rund 20 Millionen KWh pro Jahr – das entspricht dem Bedarf von ungefähr 6.000 Haushalten. Nicht so schlecht, wenn man bedenkt, dass Freiburg noch einen guten Weg zu gehen hat, um seinen CO2-Abdruck so deutlich zu reduzieren, dass Klimaeinwirkungen vermindert und Lebensqualität erhalten werden kann.
Die beiden noch aktiven alten Anlagen kommen demnächst auch weg und es gibt Pläne für weitere Anlagen auf dem Rosskopf. Entwickelt werden die Projekte von der Betreibergesellschaft regiowind GmbH & Co. Freibug KG – die auch über Beteiligungsmodelle jedem Bürger die Möglichkeit bieten, Windkraft in und um Freiburg zu fördern.
Das nicht jedem das veränderte Landschaftsbild – obwohl sich sicher viele mittlerweile nach 20 Jahren an den Blick auf den Rosskopf und andere Freiburger Höhenlagen mit Windrädern gewöhnt haben – zusagt, zeigen viele Diskussionen, die damals wie heute geführt werden. Schaut man auf die Ängste und Probleme (Naturschutz, Vögel, Nachhaltigkeit) zurück, kann man mit der gewonnenen Erfahrung viele davon gut adressieren: am Rosskopf leben heute mehr Fledermäuse und andere Arten, als vor dem Bau der ersten Windräder (das zeigen die Ergebnisse der umfangreichen Prüfauflagen zur Genehmigung der neuen Anlagen eindrucksvoll) – was vor allem auf die vielen Ausgleichsmassnahmen zum Schutz der Tiere zurückzuführen ist – und auch die Nachhaltigkeit der Anlagen ist ganz vorzeigbar: die alten Betontürme wurden beispielsweise zu Schotter, der direkt vor Ort beim Bau der neuen Windmühlen zum Einsatz kam. Ein weiterer interessanter Fakt: die Anlagen auf dem Rosskopf und anderswo rund um Freiburg müssen so gut wie nie bei Überproduktion im Stromnetz abgeschaltet werden – denn Freiburg und die Region verbraucht alles, was erzeugt wird. So stehen die Räder nur dann, wenn sie gewartet werden oder zum Schutz von Vögeln.
Wenn Herdern und ganz Freiburg mehr erneuerbare Energie erzeugen möchte, dann ist Windkraft ein Weg – diskutieren Sie mit, wie die Energie-Zukunft in Herdern und der Stadt aussehen soll. Wir vom BVH engagieren uns für einen CO2-neutralen Stadtteil Herdern-Neuburg. Neue Solaranlagen (auf den Schulen) und Windkraft am Rosskopf, vielleicht bald auch mal auf Herdermer Gemarkung, sind aus Sicht des BVH ein Schritt in die gewünschte Richtung. (MG)
